Unsere Verbandsgeschichte

Aus der „FRAUEN-MACHT MACHT’S MÖGLICH  – 50 Jahre Engagement für die Frauen im Norden“ von Jutta Kürtz (Chronik des LFR anlässlich des 50jährigen Bestehens)

Der Anfang in Kiel

Auf Einladung der fünf Referentinnen, die für allgemeine Frauenfragen in den Landesministerien eingesetzt worden waren, trafen am 1. Dezember 1950 in der „BRÜCKE“ in Kiel Vertreterinnen von 22 Organisationen, vom Landesarbeitsamt und Jugendaufbauwerk mit den Landtagsabgeordneten Frau Emmy Lüthje und Frau Margarete Weiss zusammen (Frau Dr. Elly Linden war entschuldigt). Als Gäste nahmen Miss Bracey als Beauftragte der WOMEN AFFAIRS und die Frau des Ministerpräsidenten Bartram teil. Frau Gerda Grehm (Innenministerium) begrüßte die Anwesenden, die so zahlreich der Einladung Folge geleistet hatten, um sich kennenzulernen und Kontakt zu finden für eine Zusammenarbeit in allen Fragen, die Frauen auf den Nägeln brannten.

Es sollte ein Gremium gebildet werden, das die Aufgabe hatte, den Frauenreferentinnen beratend zur Seite zu stehen, die Wünsche der Organisationen an sie heranzutragen und ihnen damit gewissermaßen den Boden zu geben, auf dem sie für die Belange der Frauen im Lande arbeiten könnten. Laut Runderlaß hatten die Frauenreferate die Aufgabe, die Frauen in allen Fragen der Regierungs- und Verwaltungstätigkeit zu vertreten, insbesondere bei der Vorbereitung von Gesetzen und Verordnungen entsprechend der Forderung des Grundgesetzes auf Gleichstellung im beruflichen und öffentlichen Leben. Die Frauenreferentinnen sahen ihre Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit den Frauenorganisationen des Landes, deren Wünsche sie den Regierungsstellen übermittelten und auch vertreten wollten. Sie sollten keine Aufgaben innerhalb des Gremiums übernehmen. Initiativen sollten vielmehr ausgehen und getragen werden von den Organisationen durch die von ihnen entsandten Vertreterinnen.

Man diskutierte den Namen und den damit auch verbundenen Status dieses Zusammenschlusses, der zunächst als Arbeitsgemeinschaft der Landesvertreterinnen der Frauenorganisationen und der Frauengruppen in den Berufsorganisationen, den Wohlfahrtsverbänden und den Parteien firmierte.

Als erster Vorstand wurden gewählt:

  • Vorsitzende: Elisabeth Vormeyer, Deutscher Frauenring, Kiel
  • Stellvertreterin: Anne Brodersen, MdL, SPD, Kiel
  • Schriftführung: Frieda Niendorf, Konsumgenossenschaften, Lübeck
  • Beisitzerinnen: Anne Marie Körner, Berufsverband der Sozialarbeiter, und
  • Luise Dentdler, Landesinnungsverband, Rendsburg.

Nach der Konstituierung ging man an die Arbeit.

Die Gründungsmitglieder des „Landesfrauenrates Schleswig-Holstein“ waren:

  1. Arbeiterwohlfahrt (AWO), Lisa Hansen, Kiel
  2. Arbeitsgemeinschaft für Mädchen- und Frauenbildung, Dr. Elisabeth Kardel, Irmgart Leopold, Kiel
  3. BHE – Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten
  4. Caritasverband, Leni Fuchs
  5. Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Käte Hanchner, Kiel
  6. Deutsche Partei (DP), Irmgard Mentzel
  7. Deutscher Akademikerinnen-Bund (DAB), Dr. Ines Diller, Kiel
  8. Deutscher Berufsverband für Sozialarbeiter (DBfS), Anne Marie Körner
  9. Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Hilla Hagenguth, Hilde Strohmeyer und Annemarie Kähler, Kiel
  10. Deutscher Frauenring, Elisabeth Vormeyer (Frau Faupel), Kiel (RD)
  11. Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Frau Münster
  12. Freie Demokratische Partei (FDP), Gertraud Brückner
  13. Hausfrauenbund, Emmy Lüthje
  14. Innere Mission, Anneliese Koch
  15. Konsumgenossenschaften, Frieda Niendorf, Lübeck
  16. Landjugendring, Lisa Rolf
  17. Landeskirchliche Frauenarbeit, Dr. Elisabeth Haseloff, Rendsburg
  18. Landesinnungsverband, Luise Dentdler, Rendsburg
  19. Landfrauenverband, Dolli Hansen
  20. Landsmannschaft vertriebener Deutscher (LvD), Ada Niemann, Kreistag Schleswig
  21. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), Anne Brodersen, MdL, Kiel

 

Einzelmitglieder ohne Stimmrecht mit beratender Funktion:

Die fünf weiblichen Landtagsabgeordneten:
Anne Brodersen, SPD, Kiel
Dr. Elly Linden, SPD, Lübeck
Emmy Hübner, CDU, Kiel
Dr. Margarethe Weiss, BHE, Neumünster.

Die Frauenreferentinnen:
Staatskanzlei – Gisela Wernck
Innenministerium – Gerda Grehm
Kultusministerium – Waltraut Klinkow
Wirtschaftsministerium – E. Rosemarie Krüger
Sozialministerium – Dr. E. M. Geinck
Ministerium für JAW – Magda Tiedemann
Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – Liane Haskarl
Landesarbeitsamt Schleswig-Holstein – Käte Mahr
Gewerbeaufsichtsamt – Lucie Drews

Als Einzelpersönlichkeiten:
von Caritas und Bahnhofsmission – Berta Stosiek, Preetz
von der AWO Kiel – Gertrud Völker.

 

Am Dezember 1950 fing der neu gegründete „Landesfrauenbeirat“ an die Arbeit. Schwerpunkt: Arbeits- und Mutterschutz und die Unterstützung weiblicher Bundesbediensteter des neuen Fachbereichs, das war ab Dezember 1950. Außerdem ging es um die Benachteiligung von Frauen bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst. Eine erste Eingabe – das Innenministerium empfing und führte zu Schlagzeilen – referierend über die Arbeit der neuen Frauenorganisation. Frauenkämpfe, die 250 000 zwangsweise Verschlossenen Frauen in entwürdigender Weise im Schlamm ausgetragen wurden, hatten bei den Veranstaltern der Unterhaltungsshows Empörung gesorgt. Nach einem mit Spannung erwarteten Beobachterbericht des Innenministeriums unterlag der Veranstalter der Unterhaltungsshows.

[…]

Ende des Jahres 1951 wurde auch der Name des Zusammenschlusses neu diskutiert. Da ein „Beirat“ nur von der Regierung gebildet oder berufen werden konnte und dieses bisher nicht geschehen war, und da die Vertreterinnen der Verbände weiter an ihrer aller Unabhängigkeit interessiert waren, wurde am 8. November 1951 ein neuer Name beschlossen: Fortan nannte man sich „Landesfrauenrat Schleswig-Holstein (L.F.R.)