Geschlechterrollen und -identitäten sind in unserem Alltag permanent präsent. Sie prägen das Handeln und unsere Perspektiven auf verschiedene Themen. Geschlecht ist dabei nicht nur biologisch bestimmt, sondern auch sozial konstruiert (gender). Für unsere Gesundheit sind diese Unterschiede von enormer Bedeutung. Frauen, Männer und diverse Menschen haben in der Gesundheitsversorgung verschiedene Anliegen und Präferenzen.

Es geht aber nicht nur um die angemessene Prävention und Therapie, sondern auch um ein Verständnis von Problemen und Verhaltensweisen auf der Grundlage gesellschaftlichen Normen und Genderstereotypen Lebensstilen. Eine gendersensible Medizin, Pflege und Therapie berücksichtigt diese Unterschiede und ist somit Teil von Qualitätssicherung im System gesundheitlicher Versorgung und Voraussetzung für die selbstbestimmte Förderung von Lebensqualität der Einzelnen. Gendersensible Medizin öffnet einen ganzheitlichen Blick auf die Patient:innen und orientiert sich nicht am „männlichen Durchschnittmenschen“.
Auf verschiedenen Ebenen zeigt sich die Relevanz einer gendersensiblen Sicht auf Gesundheit: z.B. private und berufliche Sorgearbeit einschließlich ihrer Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten zur Regeneration und Selbstfürsorge, spezifische gesundheitliche Risiken oder Krankheiten aber auch Chancen für ein selbstbestimmtes Leben mit und ohne gesundheitliche Einschränkungen.
Die im März 2023 von der Mitgliederversammlung eingesetzte Arbeitsgruppe arbeitet derzeit an Empfehlungen wie Gesundheitspolitik geschlechtergerecht gestaltet sein könnte, dabei spielen auch Themen wie Geburtshilfe, reproduktive Rechte, unbezahlte und bezahlte Sorgearbeit, Zugänge und Versorgungsgerechtigkeit eine Rolle.